"Da war einmal ein guter Mensch.
Er hatte Mitleid mit dem hässlichen Gewürm der Raupen,
wie sie sich Stunde für Stunde vorwärts plagten,
um mühselig den Stengel zu erklettern
und ihr Fressen zu suchen –
keine Ahnung von der Sonne,
dem Regenbogen in den Wolken,
den Liedern der Nachtigall!
Und der Mensch dachte:
Wenn diese Raupen wüssten, was da einmal sein wird!
Wenn diese Raupen ahnten,
was ihnen als Schmetterling blühen wird:
Sie würden ganz anders leben,
froher und zuversichtlicher,
mit mehr Hoffnung.
Sie würden erkennen:
Das Leben besteht nicht nur aus Fressen
und der Tod der Raupe ist nicht das Letzte.
So dachte der gute Mensch,
und er wollte ihnen sagen:
Ihr werdet frei sein!
Ihr werdet eure Schwerfälligkeit verlieren!
Ihr werdet mühelos fliegen und Blüten finden!
Und ihr werdet schön sein!
Aber die Raupen hörten nicht.
Das Zukünftige, das Schmetterlinghafte
ließ sich in der Raupensprache einfach nicht ausdrücken.
Der gute Mensch versuchte Vergleiche zu finden:
Es wird sein,
wie auf einem Feld voller Möhrenkraut...
Und sie nickten,
und mit ihrem Raupenhorizont
dachten sie nur ans endlose Fressen.
Nein so ging es nicht.
Und als der gute Mensch neu anfing:
Ihr Puppensarg sei nicht das Letzte,
sie würden sich verwandeln,
über Nacht würden ihnen Flügel wachsen,
sie würden leuchten wie Gold
– da sagten sie: Hau ab! Du spinnst!
Du hältst uns nur vom Fressen ab!
– Und sie rotteten sich zusammen,
um ihn lächerlich zu machen."1
Da kommt einer, der meint es gut mit mir und ich erkenne es nicht.
Ich kann es nicht erkennen,
ich mache mir erst gar nicht die Mühe ihm richtig zu zuhören,
ich will es gar nicht erkennen,
dass sich da einer um mich bemüht,
mein Leben voller und reicher zu machen.
Da kommt einer, der mein Leben verändern will,
aber ich hab mir doch alles so bequem eingerichtet.
Mein Tagesablauf ist durch viele einzelne Gewohnheiten
getragen und so schön strukturiert.
Vielleicht nicht durch mich
und möglicherweise auch nicht ganz nach meinen Vorstellungen
- aber immerhin, um im Bild der Raupen zu bleiben,
ich weiß, wo es die besten grünen Blätter gibt.
Ich muss mich um nichts kümmern,
keine Anstrengungen auf mich nehmen
und habe auch so meine Ruhe vor allem und jedem – außer eben vor dem einen.
Der eine,
der um mich kämpft,
der mir zeigen will,
wie schön die Welt ist, die auf mich wartet, wenn ich mich denn nur darauf einlasse.
Der eine,
der bei mir ist und mir zeigen will,
dass das Leben so viel mehr ist als Eintönigkeit und Alltagstrott.
Der eine,
der bei mir ist und mich nicht alleine lässt.
Der eine,
der mich auf das Leben vorbereiten will, das mich unausweichlich erwartet.
Wie froh und dankbar bin ich,
dass es diesen Einen in Leben für mich und auch für Sie gibt!
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